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23.12.2010




 
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Zabanja



Anmeldungsdatum: 17.11.2010
Beiträge: 1262
Wohnort: Wien

BeitragVerfasst am: 23.12.2010, 00:01    Titel: 23.12.2010

Ehe ich es morgen total vergesse wegen Packen und dem ganzen Trubel, hier eine (extra für Bonnie und Kathleen) gaaaaaanz lange Weihnachts-Neujahrs-Tröstausgabe.
Der nächste Teil kommt dann aber wirklich erst im neuen Jahr, vermutlich um den 3. oder 4.1. herum.


Ich wünsche an dieser Stelle auch allen schon einmal schöne und wenn möglich auch erholsame Feiertage und einen guten Start ins neue Jahr.

Alles Liebe










„Wie ging es weiter?“, fragte ich stattdessen. „Immerhin bist du ja entkommen. Was wurde aus deinem Freund, diesem Ryan?“
„Der hatte weniger Glück als ich“, murmelte Damien und drehte die Flasche in der Hand. „Ich weiß nicht mehr genau wie, aber irgendwie hatten wir es dann doch geschafft, aus dem Fenster zu springen. Nur dass dort draußen weitere Männer standen. Zumindest nahmen wir zuerst an, dass es sich um Männer handelte, bis wir genauer hinsahen. Ich wähnte mich damals in einem Alptraum und hoffte darauf, endlich aufzuwachen, denn nur so konnte ich mir diese Wesen, diese übergroßen Wölfe mit den intelligenten Augen, erklären. Ryan wurde sofort von zweien angesprungen, während ich mich mit einem Satz zur Seite retten konnte. Ich hörte seine Schreie, doch umdrehen kam für mich nicht in Frage. Ich war feige, das gebe ich gerne zu.
Weit kam ich jedoch nicht, denn entweder stolperte ich über etwas, oder jemand stellte mir ein Bein, jedenfalls lag ich der Länge nach im Dreck. Meine Knie waren aufgeschlagen und brannten, doch das war nichts gegen den Schmerz, der gleich darauf durch mein Bein schoss. Eines der Biester hatte mich gebissen. Vermutlich hätte es mich getötet, wären nicht auch diese anderen Männer durchs Fenster gekommen und beide Parteien lieferten sich einen erbitterten Kampf. Ich sah zu, dass ich wegkam.“
Sekundenlang starrte er schweigend die Flasche an, ehe er sie mit voller Wucht an die Wand schleuderte, wo sie klirrend zerschellte. Splitter flogen in alle Richtungen und irrationaler Weise fragte ich mich, ob er gründlich genug aufwischen würde, dass Shannon sich nicht an einem vergessenen Splitter verletzen konnte.
Sein Schluchzen lenkte mich ab. Damien hatte seinen Kopf in die Hände gestützt und mir wurde klar, dass er diese Geschichte bislang noch niemandem erzählt hatte. Vermutlich war das auch gut so, denn wer hätte ihm glauben sollen?
„Ein Buch. Ein verfluchtes, dämliches, beknacktes, altes Buch… Hätten wir uns doch nie darauf eingelassen!“
In dieser Beziehung stimmte ich ihm voll und ganz zu. Das hätte ihm jedenfalls eine Menge Ärger erspart. Andererseits… Es war erst zwei Jahre her! Und er hatte dieses Buch sogar in Händen gehalten!
„Ganz ruhig, Pelzie“, versuchte ich ihn zu beruhigen. „Es ist passiert, das ist natürlich Mist, aber du kannst es nicht mehr ändern. Du lebst. Nimm es hin und lebe damit.“
„Toller Rat!“
Der Kleine blickte wieder auf, den typischen Silberglanz in den Augen, der für die Wölfchen so charakteristisch ist, wenn sie kurz davor sind, zu explodieren.
Ich blieb ruhig. Noch war ich ihm gewachsen, selbst wenn er jetzt komplett ausflippte.
„Es ist die Wahrheit. Reiß dich zusammen, du hast hier eine Verantwortung, du wirst gebraucht.“
Er stierte mich an, als hörte er mich gar nicht, doch schließlich nickte er.
„Ich weiß. Trotzdem ist es… es ist…“
„Eine beschissene Situation?“, half ich ihm auf die Sprünge und er nickte.
„Ich helf dir“, versprach ich ihm und fragte sofort weiter: „Was passierte dann?“


Kapitel VI

Damien




Eric hatte wirklich Nerven. Da saß ich vor ihm, nahezu hysterisch und kämpfte gegen die Schatten der Vergangenheit an und was tat er? Er bohrte noch tiefer in der Wunde, um sie mehr und mehr aufzureißen und mir Qualen zu bereiten. Ich unterstellte ihm keine Absicht, aber er hätte durchaus ein wenig darüber nachdenken können, ehe er handelte.
„Der Wolf, der mich angegriffen hatte, war in einen erbitterten Kampf mit drei Männern verwickelt – da habe ich meine Chance genutzt und bin geflohen, ganz einfach. Meiner Mutter erzählte ich etwas von einem bissigen Hund, was die Wunde am Bein erklärte und ich war so überzeugend, dass ich es am Ende selbst glaubte. Diese Wesen, die ich gesehen hatte, die konnte es einfach nicht geben – so redete ich es mir damals zumindest ein.“
„Und das Buch? Was wurde aus ihm?“
Was fand er nur an diesem verfluchten Buch? Ohne das Mistding hätte ich ein vollkommen normales Leben führen können und Ryan wäre noch am Leben.
„Ich weiß es nicht. Vielleicht hab ich’s fallen lassen oder die haben’s mir abgenommen. Keine Ahnung, Mann!“
Der Blick, den mir Eric zuwarf, zeigte deutlich, dass er höchst unzufrieden war. Er machte allgemein einen merkwürdigen Eindruck: Erregt, verärgert und enttäuscht zugleich. Irgendetwas musste an diesem blöden Buch sein – und ich hatte mal wieder keine Ahnung. Aber dem wollte ich Abhilfe schaffen. Sofort. Ich setzte mich kerzengerade hin und versuchte, Eric mit meinem Blick zu fixieren.
„Ich will jetzt wissen, was es mit dem verfluchten Buch auf sich hat. Keine Ausflüchte, keine Vertröstung auf einen späteren Zeitpunkt oder ich mache nicht mehr mit!“
Eigentlich wartete ich darauf, dass Eric mich auslachte, weil ich ihm gegenüber Forderungen stellte. Oder dass er einfach aufstehen und gehen würde. Aber nichts dergleichen geschah. Ganz im Gegenteil, der Vampir sah mich lediglich ernst an und als er zu sprechen begann, war seine Stimme nachdenklich, ja fast schon besorgt.
„Kleiner, wenn ich mit meiner Vermutung richtig liege, dann bist du da in eine verdammt große Sache gerutscht. Wie sah dieses Buch denn aus?“
So langsam wurde ich neugierig. Mir war schon klar gewesen, dass an dem ollen Ding etwas Besonderes sein musste. Wieso sonst hätten es die Werwölfe unbedingt in die Finger – oder Pranken – bekommen wollen? Aber dass Eric als Vampir auch noch darüber Bescheid wusste, das war dann doch ungewöhnlich.
„Ich hab keine Ahnung. Ich sagte doch, das Papier ist gerissen und da hab ich es gesehen. Es war einfach alt, fleckig und sah so aus, als falle es jeden Moment auseinander.“
Mein Gegenüber nickte leicht. „Das könnte passen.“ Als er dann meinen Blick sah, fügte er rasch hinzu: „Ich habe dieses Buch nie gesehen, nur davon gehört... Ach was soll’s, ich seh schon, ich muss ganz von vorne anfangen.
Also, Streuner, spitz die Ohren, denn ich werde es nur ein einziges Mal erzählen.“

Und dann erzählte er mir eine Geschichte, die so unglaublich war, dass es eine ganze Weile dauerte, bis ich sie glaubte.
Nachdem Eric seine Erzählung beendet hatte, saß ich wohl geschlagene zwanzig Minuten da und starrte ihn einfach nur an. Als ich meine Sprache dann wieder fand, bestand meine erste Frage nur aus einem einzigen Wort: „Warum?“
„Warum? Liegt das nicht auf der Hand? Warum versuchten die Weißen, die Farbigen zu unterdrücken? Warum wurden im zweiten Weltkrieg zigtausend Menschen umgebracht, nur weil sie einer anderen Religion angehörten? Na? Weißt du die Antwort nun? Es wird immer Leute geben, die sich für etwas Besseres halten und alles andersartige beherrschen wollen.“
„Aber, wer sind die?“
Eric stand auf und begann in dem kleinen Wohnraum auf und ab zugehen.
„Sie nennen sich H.o.A.C.s – Hunters of abnormal creatures. Der Name sagt alles, oder?“
Das stimmte allerdings, doch eines war mir immer noch nicht klar. „Das sind aber doch ganz normale Menschen! Wieso in Gottes Namen sind sie eine so große Gefahr für uns?“
Der Vampir ließ sich wieder auf dem Stuhl mir gegenüber nieder und als er nun weiter sprach, war er so ernst, wie noch nie zuvor.
„Sie beobachten uns schon seit Jahren. Sehr vielen Jahren, so etwa zwei bis dreitausend, würde ich sagen. Glaub mir, Kleiner, sie kennen unsere Schwächen besser als wir selbst und sie wissen ganz genau, wie sie uns gegeneinander ausspielen können. Wie genau sie in den Besitz des Codex gelang sind, weiß ich nicht, aber sie haben es so hingedreht, dass es für beide Gruppen so aussah, als habe die andere sie gestohlen.“
Irgendwie klang das arg an den Haaren herbei gezogen. Klar, Eric erzählte da eine Geschichte, die einfach unglaublich klang, aber genau das machte mich so skeptisch. Wer konnte mir garantieren, dass er sich das, was er mir da gerade erzählte, nicht einfach aus den Fingern saugte?
„Und wieso weißt ausgerechnet du so viel darüber?“
Er lachte. „Dachte mir schon, dass das ein bisschen viel für dich sein würde, Streuner. Weißt du, auch wir sind nicht tatenlos geblieben. Immerhin hängen auch wir an unserem Leben – ich weiß, du definierst das Wort Leben anders als wir, aber du kannst nicht abstreiten, dass ich irgendwie lebe, oder? Und da wir wirklich keine große Lust haben, uns von irgendwelchen Sterblichen den Arsch aufreißen zu lassen, beziehungsweise, da wir keinen großen Wert auf einen Pflock im Herz oder ähnliche ‚Späße’ haben, gründeten auch wir eine Vereinigung. Irgendein Witzbold hat ihr vor einigen Jahren den Namen HotHoacs gegeben, also Hunters of the Hunters of abnormal creatures.“
Erneut lachte er, aber es klang verbissen und auch ein wenig bedrückt.
Jäger der Jäger, das klang so, als wäre es irgendwann nach einer durchzechten Nacht entstanden – traf es aber wohl doch recht gut. Allerdings hatte diese Vereinigung doch einen großen Haken: Wenn ich das richtig verstanden hatte, gab es dort ausschließlich Vampire und als ich Eric danach fragte, nickte dieser düster.
„Du sagst es, Kleiner. Die H.o.A.C. haben es geschafft, unsere Rassen so vollkommen gegeneinander aufzubringen, dass es überhaupt keine Chance gab, sich gegen die Hunter zu verbünden. Naja, fast. Immerhin haben wir beide bislang noch nicht versucht, uns gegenseitig an die Kehle zu gehen.“
Er grinste nervös und zum ersten Mal wurde mir klar, dass sich Eric, was meine Wenigkeit anging, gar nicht so sicher war, wie er immer tat. Hätte ich womöglich doch eine Chance gegen ihn gehabt?
Rasch verwarf ich diesen Gedanken wieder, denn auch wenn er ein Blutsauger war, so hatte er bislang nichts getan, was mir oder Shannon geschadet hätte.
„Du hast mir auch ziemlich deutlich klar gemacht, dass das recht ungesund für mich wäre. Aber ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass ich dir oder eurer Vereinigung helfen könnte.“
Eric begann mit den Fingern auf der Tischplatte herumzutrommeln. „Doch, ich denke schon. Damien...“
Wow! Er nannte mich beim Namen. Das war jetzt das... ja, das zweite Mal, dass er das tat. Sonst war ich lediglich der ‚Kleine’ oder der ‚Streuner’ oder...
„Jetzt komm mal wieder auf den Teppich und sperr die Lauscher auf.“
Es war beruhigend, wieder den gewohnten Anflug von Humor in seiner Stimme zu hören. Aufmerksam sah ich ihn an und wartete einfach ab, was er nun zu sagen hatte. Damien... nun, es geschahen ja doch noch Zeichen und Wunder.
„Wieder ganz da? Gut. Also, ich hatte dich gerade gefragt, was aus deinem Rudel damals geworden ist. Sie haben sich doch bestimmt bei dir gemeldet, immerhin müssen sie deine Flucht ja bemerkt haben.“
Es war ein Wunder, dass Shannon nicht von meinem Zähneknirschen erwachte. Ich hätte wissen müssen, dass er wieder damit anfangen würde. Nun gut, er hatte den Anfang der Geschichte gehört, dann konnte er den Schluss auch hören.

Sie hatten sich gemeldet. Genau drei Tage später. So lange hatten sie nämlich gebraucht, mich zu finden – Stadtluft ist wirklich die Hölle für den Geruchssinn. Jedenfalls standen da auf einmal zwei recht wild aussehende Gestalten in meinem Zimmer, mit langen Haaren, Fransenhosen und reichlich schmutzig.
Wie sie an meiner Mutter vorbeigekommen waren, weiß ich leider nicht, Fakt war, sie waren in meinem Heiligtum, wo ich meinen schmerzenden Fuß mit kühlenden Bandagen behandelte. Einer von ihnen blockierte die Tür, indem er sich gegen sie lehnte, der andere setzte sich auf die Tischkante und sah mich prüfend an.
„So, hast es also überlebt. Wie fühlst du dich, Welpe?“
Ich gestehe, mir blieb vor Ärger und Staunen die Luft erst einmal weg. Als ich wieder sprechen konnte, fuhr ich ihn an, was er sich einbilde, einfach hier hereinzutrampeln, mich einen Hund zu nennen und dann die Frechheit zu besitzen, mich zu fragen, wie es mir gehe.
Zu meiner Überraschung lachte der Kerl nur.
„Krieg dich wieder ein. Ich erklär dir ja gleich, was los ist und ich rate dir, die Lauscher aufzusperren, capito?“
Reichlich angefressen lauschte ich dem, was der schmuddelige Langhaardackel da von sich gab und ich glaubte ihm kein einziges Wort. Werwolf. Ich ein Werwolf. Damals war ich nahe dran, den verlausten Köter einfach vor die Tür zu setzen, doch als er merkte, dass ich eher an eine Marienerscheinung, als an seine haarsträubende Geschichte glauben würde, da stand er auf und verwandelte sich vor meinen Augen in eine der Kreaturen, die Ryan und mir vor dem Lagerhaus aufgelauert hatten.
Meinen entsetzten Schrei erstickte eine haarige Pranke und gleich darauf, stand er wieder in menschlicher Gestalt vor mir.
Ob ich nun geneigt wäre ihm zu glauben? Ich war.
Die nächsten Stunden waren sehr informativ. Marvin, so hieß der Kerl, der sich ganz nebenbei als rechte Hand des Rudelführers vorstellte, fütterte mich mit so vielen Informationen, dass mir recht bald der Schädel dröhnte. Als er merkte, dass ich mich nicht mehr richtig konzentrieren konnte, ließ er von mir ab, kritzelte eine Adresse auf einen Zettel und schärfte mir ein, mich dort am nächsten Tag einzufinden. Ich versprach es – und hielt mich auch daran.
Nach und nach erfuhr ich dann alles, was ich wissen musste. Was genau ich war, wovor ich mich hüten musste und wie ich meine Sinne effektiv trainieren und nutzen konnte.
Auch den Rudelführer lernte ich kennen. Er war schon recht alt, grauhaarig und musterte mich reichlich desinteressiert. Er teilte mir Marvin als Lehrer zu und warnte mich davor, den Blutsaugern in die Hände zu fallen, dann zog er sich auch schon wieder zurück.

Innerhalb der nächsten Wochen lernte ich rasch, Marvins Unterstützung dankbar anzunehmen. Je mehr sich meine Sinne schärften, umso schlimmer wurde es. Alles war auf einmal so laut, so grell und übelriechend und es dauerte fast ein halbes Jahr, bis ich gelernt hatte, mich gegen diese ständige Überreizung zumindest ein kleines bisschen abzuschotten.
Da waren die anderen ‚Nebenwirkungen’ meines neuen Daseins wesentlich angenehmer. Ich war jetzt schneller als der schnellste Läufer der Schule und hätte ohne weiteres einen Weltrekord laufen können. Stärker war ich auch und es war nicht immer ganz einfach, sich nicht mit voller Kraft in etwas hineinzuhängen. Eine klemmende Spindtür lässt sich unheimlich leicht aus den Angeln reißen – und kein Lehrer findet das sonderlich lustig.
Am Besten gefielen mir aber meine neuen Selbstheilungskräfte. Die Bisswunde an meinem Bein war nach eine Woche fast nicht mehr zu sehen und der hinzugezogene Arzt wollte es bei seiner Kontrolluntersuchung kaum glauben. Ich vertröstete ihn damit, dass die Wunde wohl doch nur oberflächlich gewesen wäre und zum Glück glaubte er mir auch. Jedenfalls bestand er nicht auf weiteren Tests oder anderen Untersuchungen, sondern gratulierte mir zu meinem guten ‚Heilfleisch’, wie er es nannte.
Marvin lachte, als er davon erfuhr und meinte, ich sei auf dem richtigen Weg. Er verschwieg mir allerdings, dass mir das Schlimmste noch bevorstand: Meine allererste Verwandlung in einen Werwolf.
Vielleicht war es auch ganz gut gewesen, dass er es mir nicht erzählt hatte, denn so war ich mehr aufgeregt als ängstlich, als wir an jenem Abend zusammen loszogen.
Meine Mutter war alles andere als erfreut. Sie mochte ihn und meine anderen neuen Freund gar nicht und konnte auch nicht verstehen, wie ich mich, als gut erzogener Junge ohne problembehaftetes Elternhaus, mit solch einer Bande von Hippies, wie sie sie nannte, umgeben konnte.
Als alles flehen und betteln ihrerseits, diese Freundschaft zu kündigen, nichts half, zogen meine Eltern das stärkste Register und erteilten Marvin und den anderen Hausverbot – und mir Stubenarrest.
Natürlich versuchte ich es erneut mit allerhand Argumenten, immerhin hatten sich meine Schulleistungen nicht verschlechtert, doch sie wollten nicht nachgeben. Also stahl ich mich heimlich fort und folgte Marvin durch die Stadt. Was hätte ich auch anderes tun sollen? Ich brauchte ihn und seine Unterweisungen nun mal und meinen Eltern konnte ich ja schlecht erzählen, was wirklich passiert war.

Es war kurz nach Sonnenuntergang, als wir an einem alten Fabrikgelände ankamen.
Marvin führte mich zielsicher durch verwinkelte Gänge, bis wir in der verlassenen Fertigungshalle landeten, in der noch die Transportbänder und etliche kaputte Maschinen herumstanden. Türen gab es anscheinend schon lange keine mehr, nur noch ein massives Gitter, das wie das Fallgatter einer mittelalterlichen, europäischen Burg aussah.
Eigentlich hätten mich die vielen Kratz- und Bissspuren an Wänden und Maschinen stutzig machen sollen, aber ich war viel zu aufgeregt, um auf solche Details zu achten. Ich war unruhig wie selten in meinem Leben. Spontan fiel mir mein erster Schultag ein. Damals hatte ich auch nicht gewusst, was mich erwarten würde, deshalb hielt ich es für einen guten Vergleich.
Durch eine der zerbrochenen Fensterscheiben hatte man einen wunderbaren Blick auf den klaren Himmel und bald schon tauchte in einer Ecke des Fensters die runde Mondscheibe auf.
Ich weiß noch, dass ich mich unwiderstehlich angezogen fühlte, dann aber brach es ohne Vorwarnung über mich herein. Diese allererste Verwandlung war der Horror schlechthin.
Alles schmerzte, als würde ich gleichzeitig bei lebendigem Leib gehäutet, gevierteilt, in siedendes Öl getaucht und noch vieles mehr. Noch heute höre ich diese schrecklichen, kreischenden Schreie, von denen mir hinterher versichert wurde, es wären meine gewesen.
Ich weiß nicht, wie lange es dauerte und was danach geschah. Als ich wieder ich selbst war und klar denken konnte, war die Sonne bereits aufgegangen und ein ungeduldiger Marvin wartete darauf, dass ich in die Klamotten stieg, die er besorgt hatte und er mich nach Hause bringen konnte, ehe meine Eltern merkten, dass ich weg war.

Ein paar Monate blieb es so: Zwei bis dreimal die Woche traf ich mich mit Marvin, um zu trainieren. Meine Eltern machten jedes Mal einen riesigen Aufstand, wenn sie es herausbekamen drohten mit lebenslangem Zimmerarrest und ähnlichem, doch spätestens an Vollmond schlich ich mich wieder fort. Die Verwandlungen sind das Einzige, an das ich mich erinnern kann, dann kommt jedes Mal das große Blackout. Mit der Zeit hatte ich mir allerdings angewöhnt, mich vorher sicherheitshalber auszuziehen. Anfangs schämte ich mich dabei, doch Marvin versicherte mir, dass es die anderen genauso hielten. Ich war wirklich froh, dass er sich um mich kümmerte. Dann begann es...
Ich merkte die Parallelen in dem Moment, in dem ich Eric von den Geschehnissen erzählte.
Eines Abends, meine Eltern waren gerade ausgegangen, tauchte nämlich Marvin unangekündigt bei mir auf. Er wirkte gehetzt und ich roch förmlich die Angst, die er mitbrachte.
„Wir müssen fort.“
„Das geht nicht – wie stellst du dir das vor?“
Sicherheitshalber trat ich einen Schritt zurück, ehe er nach mir greifen konnte.
„Kleiner, mach keinen Unsinn. Sie sind hier.“ Marvin sah sich um und schob dann einen Fuß in die Haustüre, dass ich sie ihm nicht vor der Nase zuschlagen konnte. „Kann ich reinkommen?“
Nach kurzem Zögern öffnete ich ihm die Türe ganz. Immerhin hatte ich ihm bislang vertrauen können, warum sollte es sich also jetzt ändern? Er huschte herein und gab der Türe dann einen Schubs, dass sie ins Schloss fiel. Erst dann atmete er erleichtert auf.
„Was ist denn los? Du siehst übel aus.“
Ein Knurren war die einzige Antwort auf meine Frage, ehe er meinen Arm packte und mich in mein Zimmer schleifte.
„Frag nicht, pack lieber ein paar Sachen zusammen. Wir müssen fort. Die Jäger sind da.“
„Was für Jäger? Und ich sagte doch schon, ich kann hier nicht weg. Was sollte ich meinen Eltern sagen? Und die Schule? Vergiss es, ich bleib hier.“
„Willst du, dass sie dich umbringen?“
Ein silbriger Glanz war in seinen Augen aufgetaucht und nun riss mir der Geduldsfaden.
„Wie wär’s, wenn du mir endlich einmal sagen würdest, worum es hier geht!“
Marvin funkelte mich wütend an, dann krempelte er seinen Ärmel hoch und zeigte mir eine hässliche Wunde: Tiefrot mit schwarzen, gekräuselten Rändern als hätte er sich schlimm verbrannt.
„Weißt du, was das ist, Welpe? Das war Silber! Ben und Gordon hat’s schon erwischt, der Rest ist auf der Flucht und jetzt sieh zu, dass du in die Gänge kommst, das ist meine letzte Warnung.“
Vor Silber hatte er mich tatsächlich schon gewarnt, doch ich hatte ihn nicht wirklich ernst genommen. Übertreibung, um mir Angst zu machen, so dachte ich damals. Diese Verletzung jedoch ließ mir einen kalten Schauer über den Rücken laufen.
Trotzdem hatte ich nicht vor, davonzulaufen.
„Ich ändere meine Meinung nicht – ich bleibe.“
Hartnäckig weigerte ich mich, dem Rudel zu folgen, ließ mich von Marvin weder durch Worte, noch durch Drohungen einschüchtern und letztendlich gab er auf.
„Fahr doch zur Hölle. Wenn du sterben willst, bitte, das soll nicht länger mein Problem sein. In einem Rudel muss man sich aufeinander verlassen können. Du bist von nun an für uns gestorben.“
Wutentbrannt verließ er zunächst mein Zimmer, dann das Haus und warf beide Mal mit lautem Knall die Türe zu.
Es war das letzte Mal, dass ich ihn oder einen der anderen sah.
_________________
Alles Liebe
Petra



Eine halbe Wahrheit ist eine ganze Lüge
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BeitragVerfasst am: 23.12.2010, 00:01    Titel: Werbung



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Kathleen Kelly
Moderatorin


Anmeldungsdatum: 07.05.2007
Beiträge: 6076
Wohnort: Ostalb

BeitragVerfasst am: 23.12.2010, 11:06    Titel:

Vielen Dank liebe Zabanja! drück drück drück
Dir und Deinen Lieben auch schöne Feiertage und kommt
gut ins neue Jahr und auch wieder heim aus dem Allgäu.
Ich freu mich schon riesig auf die Fortsetzung im Januar!
_________________
Liebe Grüße
Heidi
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Website dieses Benutzers besuchen
Bonnie



Anmeldungsdatum: 03.09.2009
Beiträge: 6796

BeitragVerfasst am: 23.12.2010, 18:26    Titel:

Danke Zabanja drück
Ich wünsch dir und deiner Familie schöne Feiertage und kommt gut wieder heim!
_________________



Tu was du willst, aber schade niemandem!
Sylvias Bridal Sampler
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